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Shichido
– Die
Sieben Koordinationen
Die Übung des shichido (der siebenfache Weg)
Drawings
by Dominique Zaugg
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Prelude:
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Step
1: ”YO I”
Vorbereitung: Erreichen des Reinen Herzens
Die linke Hand hält den Yumi (Bogen), die rechte Hand hält den
Ya (Pfeil) in entspannter und aufrechter Weise, wobei drei gerade Linien
entstehen: Yumi, Körper und Ya. Denke dir diese drei als Einheit.
Die Füße sind gerade und stehen von den Zehen bis zur Ferse
parallel zueinander, der Abstand hat die Breite einer Faust. Die Augen
blicken leicht abwärts ohne sich auf irgendetwas zu konzentrieren.
Der Körper ist vollständig bereit und "lauscht". Er
ist offen und entspannt. So wie sich der Körper öffnen und entspannen
kann, so kann es der Geist (und umgekehrt). Du bist wie ein leeres Gefäß,
bereit und wach, aber ohne Inhalt. |
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2: YUMIDAOSHI
Senken des Yumi
Langsam, natürlich atmend, führe deine rechte Hand zur Spitze
des Ya, dann senke Yumi und Ya gleichzeitig zur Hüfte, sodaß
die Arme einen Kreis in einer vertikalen Ebene bilden. Die Spitze des Yumi
zeigt abwärts und berührt nahezu den Boden in der Mitte vor dir.
Yumi und Ya liegen in einer Ebene und bilden eine V-Form, welche sich weiter
nach hinten erstreckt. |
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Die
Sieben Koordinationen (Shichido)
1.
”ASHIBUMI” – Taking the Steps
Setzen der Schritte
Das Ziel lädt dich ein, so wie man den Klang einer Tempelglocke hört,
und du fühlst dich auf natürliche Weise hingezogen. Dein Kopf
dreht sich mit voller Aufmerksamkelt langsam dem Ziel zu. Blicke geradeaus
auf das Ziel und suche dir einen bestimmten Punkt. Von diesem Punkt aus
ziehe eine Linie abwärts zum Boden, so als verfolgtest du, wie eine
Spinne sich an ihrem Seidenfaden herunterläßt, oder wie eine
Schneeflocke zur Erde fällt. Verlängere diese gerade Linie bis
zu dir, strecke den linken Fuß aus und setze deinen großen
Zehen auf diese Linie. Führe die Blickbewegung fort und setze den
rechten Fuß auf gleichen Abstand von deiner Mitte. Die Füße
sind um ungefähr 45 Grad nach außen gedreht. Schließlich
drehe deinen Kopf nach vorne und versichere dich, daß der Yumi genau
in der Mitte vor dir ist. Die Beine knicken nur leicht bei dieser Bewegung
ein und strecken sich dann wieder gerade. |
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2. DOZUKURI
Setzen des
Körpers
Festige deinen Stand vom Becken abwärts wie ein Baum, dessen Zweige
sich zum Himmel ausbreiten, aber dessen Wurzeln fest in die Erde gepflanzt
sind. Spanne die Muskeln im Gesäß und in den Oberschenkeln,
versperre die Knie und drücke sie einwärts, sodaß die
Waden leicht nach außen gedreht sind. Die Füße sind fest
verankert. Der Oberkörper ist aufgerichtet, so als ob ein Faden deinen
Kopf leicht zum Himmel zöge. Entspanne die Schultern. Spüre
ungestört die Umgebung. Füße, Hüften und Schultern
bilden parallele Linien in einer vertikalen Ebene.
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Wenn
du diese "Verbindung von Himmel und Erde" erreicht hast, dann
tue folgendes:
Hebe den Yumi und setze ihn außerhalb oder in die Mitte des linken
Knies. Achte darauf daß dein Ellbogen sich dabei nicht senkt. Halte
den Yumi locker mit der linken Hand und ergreife die Tsuru (Sehne) mit dem
ersten und zweiten Finger und mit dem Daumen oder nur mit dem kleinen Finger
der rechten Hand und drehe den Yumi. Lege den Ya ein und streiche zweimal
von oben, einmal von unten über seine Federn. Nun raste den Ya in der
Tsuru ein. Kehre mit der rechten Hand zurück zur ursprünglichen
Stellung an der Hüfte. |
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3.
”YUMI GAMAE”
Setzen
des Bogens
Führe
die rechte Hand zur Tsuru, wobei der kleine Finger und der Ringfinger
fest in die Handfläche gekrümmt sind, und führe den Daumen des Kake
(Handschuh) über die Tsuru bis zum Einrasten. Der Daumen drückt in die
Kehle des ersten Gelenks des Mittetfingers. Der Zeigefinger ruht auf
der Oberseite des Mittelfingers. Drehe die Kake-Hand leicht in deine
Richtung. Die Arme sind in runder Form ausgebreitet, als ob sie den
Stamm eines großen Baumes umschließen würden. Der Kopf dreht sich langsam
zum Ziel, sodaß das Gesicht ins Profil kommt. Als nächstes schwenken
die Arme ca. 45 Grad in Richtung Ziel, wobei sie stets die Forrn der
Baumumarmung bewahren, welche nun oval wird. Der Griff der linken Hand
ist locker, sodaß sich der Yumi darin leicht drehen kann, während die
Arme zum Ziei schwenken. |
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4.
UCHI OKOSHI
Aufrichten
zum Schießen
Ausgehend von der vorigen Stellung, hebe den Yumi langsam gerade nach
oben bis sich der Ya in Scheitelhöhe befindet - stets mit dem Gefühl,
als ob du einen Baum umarmst. Der Kopf bleibt stets direkt auf das Ziel
gerichtet, und neigt sich weder auf noch abwärts. Die Augen blicken
über den linken Unterarm, welcher mit ca. 45 Grad aufwärts gerichtet
ist. Die Augen fixieren das Ziel wie ein Tiger, der seine Beute schlagen
will. Die Schultern sind entspannt. |
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5.
HIKI TORI
Drücken
und Ziehen
Hier gibt es zwei unterschiedliche Bewegungen: der linke Arm drückt von der Schulter weg, während der rechte Arm seine Stellung behält.
Beim Bogengriff (Te no uchi) ist die Kontaktstelle das Hautgewebe zwischen Daumen und Zeigefinger,
genannt „Koko“ (Tigermaul) und dem Yumi. Drücke nicht mit dem Handballen.
Hier gibt es zwei unterschiedliche Bewegungen: der linke Arm drückt
von der Schulter weg, während der rechte Arm seine Stellung behält.
Beim Bogengriff (Te no uchi) ist
die Kontaktstelle das Hautgewebe zwischen
Daumen und Zeigefinger, genannt „Koko“ (Tigermaul) und dem Yumi.. Drücke
nicht mit dem Handballen. Die Bewegung wird weich und rund fortgesetzt,
der rechte Arm zieht die Tsuru in einem großen Bogen über
die Ohrenspitze, wobei der Ursprung der Kraft im Ellbogen, nicht aber
im Handgelenk liegt. Der linke Arm drückt immer weiter, aber streckt
sich nicht völlig. Wenn die Zugbewegung vollendet ist, befindet
sich der Ya in der Höhe deines Mundes. Das Verhältnis des
Kraftaufwandes beträgt 70% Druck zu 30% Zug. Der linke Handrücken
ist waagrecht, nicht aufwärts gerichtet. Der kleine Finger der
linken Hand hält den Yumi fest; die anderen Finger sind entspannt.
Der Griff der rechten Hand bleibt leicht einwärts gedreht, einerseits
um die Tsuru von der vorzeitigen Loslösung zurückzuhalten,
andererseits um den Ya in Stellung zu halten. Das Kinn leicht eingezogen,
blicke mit dem rechten Auge auf den Punkt des Zieles, aber halte beide
Augen offen. Der Punkt des Zieles ist an der linken Seite des Yumi und
oberhalb des Griffes sichtbar.
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6.
KAI
Gleichgewicht
Bei Kai fühle die fünf Kreuze, um deinen Körper in volles
Gleichgewicht zu bringen. Atme gleichmäßig und natürlich.
Der Augenblick des Loslassens "reift". Die Arme sind ausgestreckt
mit dem Gefühl, waagrecht auseinander gezogen zu sein.
Die Beine sind fest verankert. Oberkörper und Kopf sind aufgerichtet
in einem Kreis des Gleichgewichts, welcher sich ausdehnt, bis der Augenblick
der Loslassens geschieht. Es ist wie ein Druck, der die gesamte Oberfläche
eines Ballons aufbläht.
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Das
fünffache Kreuz (Goju jumonji)
Wenn ein Tischlermeister ein Haus baut, so muß er sicherstellen,
daß jeder Träger gerade und jede Kreuzung rechtwinkelig ist.
Im Kyudo müssen Pfeil und Bogen, Handschuh und Bogensehne, Bogen
und Griff, Oberkörper und Schultern, sowie Nacken und Pfeil zueinander
senkrecht stehen. 1. Yumi und Ya (Bogen und Pfeil) Der Yumi bildet mit
dem Ya ein Kreuz, welches weder auf noch abwärts geneigt ist. 2.
Yumi und linker Handgriff Der Yumi bildet ein Kreuz mit dem Griff. Der
Handrücken steht waagerecht und ist nicht geneigt. 3. Tsuru (Sehne)
und rechter Handgriff Der Daumen (nicht der Handschuh) bildet mit der
Sehne ein Kreuz und zeigt in Richtung des Ziels. 4. Schultern und Oberkörper
Die Symmetrielinie des Oberkörpers bildet mit den Schultern ein Kreuz.
Das Ziel liegt in der Ebene dieses Kreuzes. 5. Ya und Halswirbelsäule
Die Halswirbelsäule bildet mit dem Pfeil ein Kreuz. Der Nacken soll
nicht gebogen sein, das Kinn zeigt direkt auf das Ziel.
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7.
HANARE
Loslassen
Wenn der Augenblick der Loslassens gereift ist, schlägt die Kake-Hand
nach rechts außen wie ein Schwert, das im EUbogen drehbar gelagert
ist. Dein Blick folgt dem Ya zum Ziel.
FINALE
ZANSHIN
Verweilen
bei Geist und Körper
Nach hanare halte Kopf und Arme in dieser Stellung, folge dem Weg des
Pfeils. Erlaube deinem Geist in diesem Raum zu verweilen.
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YUMIDAOSHI
Senken
des Yumi
Zunächst drehe deinen Kopf langsam nach vorne. Führe Yumi
und rechte Hand gleichzeitig mit einer bogenförmigen Bewegung zurück
zur Hüfte. Schließe die Beine, zuerst das linke, dann den
rechte Bein. Dazwischen bewahre wiederum den Abstand von der Größe
einer Faust. Hole den Pfeil in angemessener Weise zurück.
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