Kyudo Ausrüstungs-Pflege
von Dan Dayley
Diejenigen unter uns, die das Glück haben, Gefallen an Kyudo gefunden zu haben, wissen, daß Shibata Sensei uns nicht nur eine großartige Praxis gebracht, sondern uns auch den Zugang zu Geräten ermöglicht hat, die reich sind an Tradition, Kraft und Schönheit. Diese heiligen Geräte sind in der Tat unserer Achtung, Wertschätzung und Achtsamkeit würdig.
Weil die Kyudo-Praxis ein Pfad oder "Weg" ist, dauert der Prozeß des Lernens vom Umgang mit der Ausrüstung, dem Schießen und unserem Geist lebenslang. Viele Einzelheiten werden natürlich den direkten Anweisungen Senseis oder seiner Instructors überlassen bleiben.
Es gibt einige allgemeine Richtlinien für den respektvollen Umgang mit dem Yumi. Er sollte achtsam behandelt werden, sanft aber bestimmt wie ein Baby. Er sollte eingewickelt werden, wenn man ihn lagert, und niemals Feuchtigkeit oder über längere Zeit direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Beim Betreten des Dojo sollte man den Yumi aufrecht vor sich halten. Der Yumi sollte den Eingang zuerst passieren. Wenn man das Dojo verläßt, sollte man den Yumi in derselben Weise wie beim Eintreten und beim Verbeugen vor sich halten. Der Yumi kommt als erstes, wenn man eintritt, und als letztes, wenn man hinausgeht.
Wenn dein Yumi im Auto transportiert wird, sollte er mit den Füßen vorwärts positioniert werden, wie ein Mensch. Es ist leicht, wenn man sich den Yumi immer als ein lebendiges Wesen vorstellt.
Wenn du den Yumi an eine Wand stellst, vergewissere dich, daß er sicher steht: unteres Ende auf dem Boden und nur der Kopf des Yumi in Berührung mit der Wand. Plaziere den Yumi niemals so, daß er leicht fallen kann, wenn er unbeobachtet ist. Sensei hat seine Schüler angewiesen, sich auf einem Knie hinzuknien, sowohl beim Entnehmen eines Yumi aus seiner Standposition, als auch, wenn man ihn an die Wand stellt. Dieselbe respektvolle Geste bezieht sich auch auf die Yas. (Yas werden immer mit der Spitze zum Boden hingestellt.)
Es ist unkorrekt, einen Yumi verkehrt herum zu tragen oder über einen Yumi hinwegzusteigen, der auf dem Boden liegt. Außerdem ist es respektlos, den Yumi einer anderen Person ohne deren Erlaubnis zu benutzen. Sensei hat gesagt, das sei, als ob man jemandes Gatten berührte.
Nach jeder Schieß-Einheit sollte der Yumi kräftig von oben nach unten mit einem weichen Leder- oder Baumwolltuch abgerieben werden, um Schmutz oder Fett entfernen.
Kümmere dich immer um deine eigene Ausrüstung. Erwarte weder, daß jemand anders sich an deiner Stelle darum kümmert, noch gehe davon aus, daß du dich um die von jemand anders kümmern kannst. Dieser "Babyflaschen-Stil" ist nicht sonderlich gut.
Und schließlich, kultiviere deine Bewußtheit im Dojo. Es handelt sich um eine Schrein- und Praxis-Situation. Nimm wahr, was um dich herum vorhanden ist, und zwar nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Geist, damit du Zusammenstöße mit anderen und deren Ausrüstung vermeidest, sogar wenn sie hinter dir sind. (Sensei sagt: "Geist schaut rückwärts.")
Richtige Pflege der Ausrüstung gehört mit zu der Praxis der Verfeinerung des Geistes, die Sensei so geduldig mit in dieses Land gebracht hat.
(Übersetzung: Susanne Albrecht, Monko-Kyudojo Hamburg)
Fortsetzung über die Pflege von Yumi, Ya und Kake
von Marcia Shibata
Der Yumi kann mit einem feinen, von Hand gefertigten Instrument wie der Violine oder der Gitarre verglichen werden. Sie ähneln sich insofern, als sie beide aus Holz bestehen (der Yumi besteht hauptsächlich aus Bambus, hat aber auch Holzanteile; man hat Bambus nicht Gras oder Holz genannt, sondern beides), sie werden gepreßt, geleimt, gehobelt, erhitzt, gebogen und von Hand und mit Hilfe von Werkzeugen gestaltet, bis ein schönes, zartes und ausgewogenes Stück entstanden ist. Ebenso muß der Yumi, genau wie ein gutes Saiteninstrument, mit großer Sorgfalt behandelt werden, sonst wird er sich verdrehen, Risse bekommen, zerbrechen, oder irgendein anderer unerwünschter Zustand könnte ihm widerfahren.
Der Yumi reagiert auf Temperatur, Feuchtigkeit bzw. mangelnde Feuchtigkeit in der Luft, auf Sonneneinstrahlung, grobe Handhabung und auf einen zu festen Griff der linken Hand.
Absolute Verbote im Umgang mit dem Yumi: 
    • Schieße nie mit einem Yumi (ziehe nie die 'Tsuru'-Sehne) ohne einen Ya. Du wirst ihn dadurch zerbrechen. Ist der Yumi erst einmal gebrochen, kann ihn niemand mehr reparieren.
    • Lasse einen Yumi niemals im Sonnenlicht oder in der Nähe eine Hitzequelle stehen. Das trocknet den Yumi aus. Das Austrocknen wird garantiert ein Brechen zur Folge haben.
    • Schieße niemals voll ausgezogen mit deinem Yumi, wenn er über einen Zeitraum von sechs Monaten bis zu einem Jahr nicht benutzt worden ist. Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß er bricht. In manchen Fällen genügen sogar 2-3 Monate, um einen Yumi starr werden zu lassen. Du mußt ihn erst langsam wieder einschießen.
Um einen neuen oder stagnierenden Yumi einzuschießen, ziehe die Tsuru langsam etwa 10-15 Male nur bis zu deiner Nase zurück und lasse dann los (denk daran, du mußt dabei einen Ya benutzen). Dann erhöhe die Zugweite um einen Zentimeter pro Mal, bis du die volle Auszugsweite erreicht hast. Du mußt sehr aufmerksam sein was die Geräusche deines Yumi während dieses Vorgangs angeht. Er kann kleine quietschende oder knackende Geräusche dabei machen, oder auch nicht. Kleine Geräusche sind okay und normal. Laute Geräusche dagegen können ein bevorstehendes Brechen anzeigen. Wenn du also bei Verstand bist und ein solches "lautes Geräusch" hörst, nimm sofort die Spannung aus der Situation, indem du Tsuru und Yumi so schnell wie nur irgend möglich in ihre ursprüngliche Position zurückbringst. Falls du mißtrauisch wirst, ist der nächste Schritt, den Yumi zu Shibata Sensei zur Inspektion zu bringen.
  • Schieße niemals mit deinem Yumi, wenn sich die Tsuru in einem Abstand von mehr oder weniger als 6" (=15,24 cm) befindet, gemessen von der Spitze des Ledergriffs und dem Punkt genau gegenüber der Griffspitze auf der Tsuru (Abb. 1). Falls die Tsuru zu locker oder zu stark gespannt ist, was an dem unkorrekten Abstand zwischen den beiden Punkten zu erkennen ist, mußt du sie justieren. Die Situation einer zu großen Lockerheit wird oft verursacht durch das einfache Dehnen der Nylon-Tsuru im normalen Gebrauch. Eine Gefahr dabei ist, daß die Tsuru ein Brechen des Yumi verursachen könnte, indem sie beim Loslassen "auf sich selbst zurückschnellt". Eine andere Situation, in der Tsurus zu locker werden können, ist extrem heißes, feuchtes Wetter. Im August 1988 forderten Hitze und Luftfeuchtigkeit bei mehr als 35°C ihren Tribut von den Yumis (an manchen Yumis dehnten sich die Tsurus und verdrehten diese an der Spitze). In solchen Fällen kann Sensei den Yumi normalerweise wieder neu ausbalancieren.
Der "Nibe"- oder Hirschleder-Leim-Yumi kann ebenfalls unter solch heißen, feuchten Bedingungen auseinandergehen, aber im allgemeinen von Sensei repariert werden. Die meisten Yumis, die wir als Schüler haben (ca. 99%) sind mit chemischem Leim gemacht, so daß man sich in dieser Hinsicht nicht allzu viele Sorgen zu machen braucht. "Nibe"-Yumis sind teuer und im allgemeinen maßgearbeitet.
Beachte, daß fehlerhafter Gebrauch oder Unaufmerksamkeit durch den Menschen in der obengenannten Situation keinen Anteil an den Schwierigkeiten mit dem Yumi hatte. Es liegt an dir als Schüler, bei solch problematischen Wetterbedingungen wachsam und vorsichtig zu sein und deinen Yumi nicht zu benutzen, wenn er aus der Balance ist. Es ist offensichtlich, daß er dann brechen könnte.
     
    • Lasse deinen Yumi weder draußen im Regen stehen, noch fahre in einem Unwetter, während Kopf- oder Fußende aus dem Fenster ragen.
    •  Schieße mit deinem Yumi nicht draußen bei Wintertemperaturen unter -9°C, vor allem dann nicht, wenn du ihn in deinem warmen Haus aufbewahrt hast.
    •  Erwarte nicht, daß deine Freunde sich mit Yumis auskennen. Wenn du ihnen erlaubst, ihn anzufassen, mußt du ihnen sagen, daß sie die Sehne nicht schnellen lassen dürfen. Lasse unter keinen Umständen jemanden mit einem Yumi schießen, der kein richtiges Training gehabt hat.
    • Halte deinen Yumi nicht sehr fest mit der linken Hand, vor allem nicht so, daß du ihn verdrehst. Fast alle (99,9%) verdrehten Yumis sind dies deshalb, weil der Griff der linken Hand zu stark war. Anfänger und alte Anfänger neigen dazu, zu stark zuzupacken. Es ist schwer, mit dieser Gewohnheit zu brechen, aber der Yumi-Körper wird fast immer verdreht, und in manchen Fällen ist sogar der Kopf abgebrochen. Falls die Verdrehung nicht bemerkt wird, wird der Yumi fast mit Sicherheit brechen. Denk daran, es dauert im Durchschnitt 10 Jahre, um den richtigen Griff der linken Hand zu entwickeln, also achte ganz besonders auf den "weichen Griff".
Nebenstehend ist ein Diagramm, das dich lehrt, wie man das Verdrehen überprüft. Du solltest deinen Yumi vor jeder Stunde ansehen, um seinen Zustand zu überprüfen. Auch hier ist deine Achtsamkeit sein Hüter. (s. Abb. 2)

Weil alle Yumis von Hand gemacht sind, sind sie nicht genau gleich. Deshalb ist dieses Diagramm eine "allgemeine Zeichnung", die auch auf deinen Yumi paßt. Aber es ist sinnlos zu glauben, daß alle Yumi-Krümmungen genau hundertprozentig gleich sind. Lerne die Linien deines persönlichen Yumis beim Kauf kennen, und wisse, daß er in Balance zu dir kommt. Wenn er sich von dem deines Freundes in dieser oder jener Kleinigkeit unterscheidet, ist dies kein besonderer Hinweis auf eine Unausgewogenheit.

Wenn du deinen Yumi aus der "Bauchnabel-Perspektive" betrachtest, ist die Tsuru unten und oben im allgemeinen die ersten 12 bis 20 cm zentriert, dann sieht es so aus, als ob die Tsuru rechts des Yumi-Körpers entlangläuft. Dies ist korrekt. Die Regel lautet: wenn die Tsuru sich irgendwo zwischen Mitte und rechts des Yumi-Körpers befindet, ist alles okay. Wenn sie sich nach links bewegt, bedeutet dies Gefahr, denn was vermutlich geschieht, ist, daß der Griff der linken Hand zu stark ist und sich daher das obere Ende des Yumi verdreht. Halte also Ausschau nach einer sich bewegenden Tsuru, vor allem am Kopfende des Yumi.

Abbildung 3: Wenn man sieht, daß die Tsuru oben vollkommen vom Yumi-Körper entfernt ist, so wie in dieser Zeichnung, läuft der Yumi Gefahr zu brechen. Lasse es nicht erst so weit kommen. Der Yumi muß zu Sensei gebracht werden, um erhitzt und repariert zu werden. Das beste Gegenmittel dagegen ist, ganz besonders auf einen weichen Griff in der linken Hand zu achten.
 
Abb. 2: Vogel-Perspektive zur Überprüfung des Yumi
Dies nennt man auch "Bauchnabel-Perspektive", da der Yumi mit WEICHEM GRIFF auf Bauchnabel-Höhe gehalten wird, so daß der Yumi frei schwingen kann. Beachte, daß der Yumi-Körper sich nach links biegt. Das ist korrekt, wenn dein Yumi in Balance ist. Die linke Krümmung ist die letzte, die bei der Herstellung des Yumi in ihn hineingebogen wird.

Beachte, daß der Yumi sich absolut gerade vor dem Körper befindet, nicht leicht nach links oder nach rechts geneigt. Dies ist ein wichtiger Punkt beim richtigen Betrachten/Prüfen.
 


 
Abb. 3: Tsuru ist im oberen Bereich zu weit vom Yumi-Körper entfernt. NICHT SCHIESSEN
    • Bambus besitzt ein natürliches Wachs oder Öl, das aus seinen Fasern hervortritt. Deshalb öle oder lackiere deinen Yumi niemals. Reibe ihn einfach mit einem weichen Baumwoll- oder Wildledertuch ab, wie in dem vorhergehenden Artikel angegeben. Vermeide es, den Yumi mit Seife oder Chemikalien zu waschen.
    • - Die meisten neuen Yumis haben eine höhere Krümmung als gebrauchte Yumis (s. Abb. 4). Beachte, daß der Yumi nicht gespannt ist, deshalb verläuft die Krümmung rückwärts.

Korrekterweise sollte ein Yumi eine Höhe von ein bis zwei Fäusten zwischen dem Boden und dem Griff haben. Dies wird und kann sich entwickeln, wenn Yumis regelmäßig benutzt werden. Allerdings kann sich das nicht im Laufe der Zeit entwickeln, wenn er nur herumsteht. Aber ein Schüler kann die richtige Krümmungshöhe ein wenig fördern durch die "Tsuru rauf-Tsuru runter-Methode".

Je nachdem wie hoch die Krümmung ist (manche sind 3 oder 4 Fäuste hoch), kannst du deinen Yumi eine Woche lang gespannt lassen, ihn dann in der folgenden Woche entspannen, dann wieder eine Woche lang spannen und eine Woche entspannen. Somit wechselst du Spannung und Entspannung regelmäßig ab. Das hilft etwas dabei, ihn zu zähmen. Das Timing mancher Yumis ist anders, d.h. statt eines wöchentlichen Wechsels könnte dein Yumi vielleicht einen Rhythmus von 3 oder 4 Tagen im Wechsel gebrauchen, oder auch einen Monat rauf, einen Monat runter. Deshalb solltest du dich am besten mit Sensei darüber absprechen, was das richtige Timing für deinen Yumi ist. Denk daran, daß alle Yumis von Hand gemacht und daher individuell sind.

Dasselbe Problem erfordert nicht immer dieselbe Lösung. Bitte, beachte dies.

Das Spannen des Yumi 
Sobald du gelernt hast, deinen Yumi richtig zu spannen, achte sorgfältig darauf, in dieser Beziehung nicht achtlos zu werden.
Es gibt ein Problem, das sich aus unkorrektem Spannen ergeben kann, welches wir in Ermangelung eines besseren Ausdrucks "rückseitige Niednägel" nennen.
PROBLEM: (s. Abb. 5) Die obere Krümmung auf der Außen- oder Rückseite spaltet einen langen Niednagel an Bambushaut ab. Der Yumi muß zur Reparatur an Sensei zurückgegeben werden.

 
Abb. 5: (von oben nach unten)
Der "Niednagel" der oberen Krümmung tritt ungefähr hier auf.

Lehne dich nur mit dem Körpergewicht langsam nach unten. Nicht vorwärts schieben.

Weicher Griff

GRUND: Wenn auf den Yumi Druck ausgeübt wird, um ihn zu spannen oder zu entspannen, sollte der Druck NUR GERADE nach unten gerichtet sein, nicht nach unten und vorwärts zugleich. Wenn man nach unten und vorwärts zugleich schiebt, vor allem wenn man dazu das Kopfende des Yumi gegen die Wand drückt, verursacht man eine Überbelastung der oberen Krümmung. Schließlich wird sich irgendwann der "Niednagel" abspalten.

Denke beim Hinunterdrücken daran, den Griff des Yumi nicht zu quetschen. Lehne dich mit deinem Körpergewicht in den Yumi hinein. Auch hier ist wieder das Tigermaul der Kontaktpunkt, und zwar ohne einen zu festen Griff oder Schieben mit der Hand.

Ya-Pflege

Yas brechen eher als Yumis, und damit muß man rechnen, da der Ya schnell vorwärts getrieben wird und oft auf Gegenstände trifft, die härter sind als er selbst. Dagegen läßt sich nicht viel machen, außer daß man unbeirrt weiter übt. Aber wie die Yumis sind auch die Yas aus Bambus, also öle oder wachse sie nicht. Sie besitzen ihre eigenen natürlichen Säfte. Halte sie von heißen Orten fern, und wenn sie naß oder schlammig werden, reinige sie einfach mit einem Baumwolltuch.
 

Falls du sie aus Zielen oder aus dem Gras entfernst, wenn die Federn mit durchgegangen sind, ist es am besten, sie an der Spitze oder von der Rückseite des Zieles her herauszuziehen, so daß die Federn nicht gegen den Strich gedrückt werden.

Trage Yas, besonders, wenn du die deiner Mitschüler trägst, so, daß die Spitzen von deiner linken Hand bedeckt sind, und die andere Hand sanft um die Schäfte gelegt ist. Falls es regnet, schütze die Yas mit einem Schirm. Renne niemals zurück von einem Ziel der langen Distanz, wenn du Yas trägst, sondern gehe stets. Zum Ziel hin, um die Yas einzusammeln, darf man laufen.

Kake-Pflege 
Kakes haben ein Innenfutter aus weißer Baumwolle. Es ist wichtig, dieses als Teil der Kyudo-Integrität sauberzuhalten (ebenso wie das Sauberhalten der Uniform). Lasse deinen Kake niemals in der Sonne oder im Regen liegen und auch nirgendwo, wo Hunde oder Kinder ihn zu fassen bekommen könnten.
Verleihen der eigenen Ausrüstung
Wenn du erst einmal deine eigene Ausrüstung gekauft hast, ist es unklug, diese an andere auszuleihen, es sei denn unter ganz besonderen Umständen. Diese besonderen Umstände erfordern es, daß du als Schüler in deiner Praxis weit genug fortgeschritten bist, um in aller VOLLSTÄNDIGKEIT das Können desjenigen Schülers, an den du deine Ausrüstung ausleihst, dahingehend einzuschätzen, daß er über genau dieselben Fähigkeiten und dasselbe Verständnis verfügt, die du selbst besitzt.  Der Schüler, dem du deine Ausrüstung leihst, sollte die gleiche Handgröße, Körpergröße, das gleiche Gewicht und die gleiche Körperkraft besitzen. Idealerweise sollte der Schüler, dem du deine Ausrüstung leihst, auch dasselbe "geistige Tempo" oder dieselbe "Energie" haben wie du selbst. 
Falls derartige Umstände auftreten, muß auf beiden Seiten absolut klar sein, daß, wenn während der Ausleihphase ein Schaden an der Ausrüstung entsteht, die Verantwortung dafür bei beiden Parteien liegt. Du als der Verleiher hast die Erlaubnis erteilt, daß jemand deine Ausrüstung anfaßt, und der Schüler-Empfänger hat die Verantwortung für den Gebrauch einer Ausrüstung übernommen, die einem anderen gehört. Beide beteiligten Parteien sollten im Falle eines Schadens zu einer privaten Einigung gelangen.
Grundsätzlich ist es unklug, die eigene Ausrüstung auszuleihen, und aus dem gleichen Grunde ist es auch unklug, die eines anderen Schülers anzufassen.
Verpackung des Yumi zum Reisen
Wenn du mit dem Auto fährst, lege deinen Yumi mit dem Fußende nach vorne. Setze ihn nie für lange Zeit dem Sonnenlicht aus. Du kannst die offenen Stellen (im allgemeinen Kopf- und Fußende) dadurch abdecken, daß du 3 oder 4 Schichten Zeitungspapier darüber legst. Lasse deinen Yumi niemals im Auto, wenn sich darin die Hitze stauen könnte.
Bei Flugreisen probiere die folgende Methode aus. Allerdings ist dies keine garantiert sichere Methode, denn sobald der Yumi sich außerhalb deiner Fürsorge und in den Händen der Fluglinie befindet, kann man nie wirklich wissen, was passiert. Aber es ist die beste Verpackungsmethode, die wir bisher entwickelt haben. 
Du mußt dazu 4 Stücke aus 5 mm dickem Sperrholz haben, die jeweils 5 cm breit und 2, 50 m lang sind. 
  1. Entspanne deinen Yumi und wickele ihn in seine Stoffhülle.
  2.  Umwickele deinen Yumi mit Zeitungspapier oder anderem Papier, und zwar nur mit einer Lage, die diagonal gewickelt wird, um sie dünn zu halten.
  3. Lege den Yumi auf ein Stück Sperrholz (s. Abb. 6). Klebe den Yumi an den Stellen, die in Abb. 6 angegeben sind, gut fest.
  4. Lege das zweite Stück Sperrholz obenauf und klebe auch dieses gut fest. Verwende Kabel-Klebeband oder ein ähnlich starkes Klebeband; Kreppband funktioniert nicht.
  5. Lege das dritte Stück Sperrholz auf das Fußende und klebe es fest.
  6. Lege das letzte Stück Sperrholz auf das Kopfende und klebe es fest.
  7. Klebe die am Kopf- und Fußende überhängenden Stücke zusammen.
  8. Schreibe mit Markerstift Name, Adresse, Telefonnummer usw. darauf.
  9. Denke daran, das Bodenpersonal der Fluglinie beim Einchecken darum zu bitten, "den Yumi eigenhändig zur Maschine zu bringen". Auf einem Fließband würde er vermutlich brechen. Wir haben festgestellt, daß ein Trinkgeld hierbei i.a. gute Dienste leistet.
  10. Vergiß nicht, dein Klebeband mitzunehmen.


Zu guter Letzt
Du solltest deinen Namen auf jeden Teil der Ausrüstung schreiben, den du kaufst. Das schließt deinen Kake, deinen Yumi, die Yas sowie alle sonstige Ausrüstung mit ein, die du zum oder vom Dojo mitnimmst. Vergewissere dich, daß auf allen Yumis und deren Stoffhüllen, die zur Reparatur in Senseis Haus gebracht werden, dein Name steht, da immer die Möglichkeit besteht, daß sie versehentlich mit anderen verwechselt werden könnten.
Weder die örtlichen Dojos, noch die Institutionen, wo Kyudo-Intensivseminare stattfinden, noch auch die Shibata-Familie können für verlorengegangene oder vergessene Ausrüstung verantwortlich gemacht werden. Wenn dein Name auf deiner Ausrüstung steht, sind deine Chancen besser, verlorene oder vergessene Gegenstände wiederzubekommen.
Du solltest wissen, daß reparierte Yumis nicht dasselbe sind wie "unverwundete" Yumis. Sobald ein Yumi einmal einen Riß, Bruch, Spalt oder eine "Wunde" gehabt hat und von Sensei repariert worden ist, gibt es keine Garantie dafür, daß er noch lange lebt. Er ist in einem wahren Sinne geschwächt oder verletzlich geworden. Gut gepflegte und in guter Weise benutzte Yumis, die nie eine Verletzung erleiden, können 100 bis 200 Jahre alt werden.

Sei also achtsam und umsichtig im Umgang mit deiner Ausrüstung. Sie ist teuer und schwer zu bekommen, da die meisten Ausrüstungsgegenstände aus Japan kommen. Die Vorräte sind i.a. begrenzt und in ihrer Verfügbarkeit nicht vorhersehbar.

Spannen und Pflege der Tsuru
Um die Länge einer neuen Tsuru zu messen, lege zuerst das untere Ende der Tsuru (weiß oder lila) über das Kopfende des Yumi. Lasse die Tsuru auf der Innenseite des Yumi entlanglaufen, miß drei Finger breit hinauf von Punkt "A" im Diagramm. Dort soll das Ende der Schlaufe sein. Schlinge die Schlaufe (rot) entsprechend dem Diagramm. Lege die Tsuru anders herum, indem du das Rote über das obere Ende legst. Die rote Schlaufe sollte sich immer am Kopfende des Yumi befinden.
Eine Tsuru, die zu lang oder zu kurz ist, könnte den Yumi beschädigen. Beim Verlängern oder Kürzen einer Tsuru sollte lediglich die rote Schlaufe justiert werden. Um die Länge zu überprüfen, solltest du etwa 6" (=15,24 cm) Abstand zwischen der Tsuru und dem Griff haben.
Die obere Schlaufe sollte wie eine Krawatte am Yumi anliegen: gutsitzend, aber nicht zu eng, und genau in der Mitte. Eine locker gedrehte rote Schlaufe wird beim Schießen rutschen und möglicherweise dazu führen, daß sich das Kopfende des Yumi verdreht.
Die obere und untere Schlaufe werden gegenläufig zueinander über den Yumi gestreift. Bei der oberen Schlaufe sollte die Tsuru sich um sich selbst nach rechts schlingen (s. Diagramm), und die untere Schlaufe nach links.

(Übersetzung: Susanne Albrecht, Monko-Kyudojo Hamburg)