Katja und Christopher Triplett  (bearbeitet und ergänzt durch Hans Geissberger)

Heutzutage wird Kyudo von Tausenden von Menschen in aller Welt zur geistigen Schulung und spirituellen Entwicklung praktiziert. Die schlichte Eleganz der Bewegungen, die Schönheit des Yumi – (Bogen), der Ya – (Pfeile) und die Atmosphäre von Ruhe und Würde, die in dem Dojo – (Übungsstätte) herrscht, üben eine grosse Faszination auf diejenigen aus, die den Pfad der Selbsterkenntnis gehen möchten. Denn der Antritt der Wanderung auf dem Pfad des Kyudo – 弓道 (Weg des Bogens) ist zugleich der Antritt zur Reise der Erkenntnis, auf der man lernt, mit neuen Augen zu sehen und mit neuen Ohren zu hören. Von aussen betrachtet, scheint Kyudo Bogenschiessen zu sein. Den Bogen zu spannen und dann auf die Scheibe zu schiessen ähnelt einem Geschicklichkeitstest, aber Kyudo ist kein Sport. Um das wahre Wesen des Kyudo zu entdecken, muss man den Blick nach innen richten und jegliche Beschäftigung, seien es Sorgen, Hoffnungen, Zweifel oder Ängste, mit dem Treffen des Ziels durchtrennen und überschreiten. Zwar wurde die Kyudo-Form über die Jahrhunderte hinweg immer wieder verändert und verfeinert, in verschiedene Ryu - (Lehrrichtungen) und diese wiederum in Ha –派 (Untergruppen) je nach Kata - (Stil) und Besonderheiten der Waza - (Technik) unterteilt. Die Essenz der wahren Kyudo-Praxis jedoch bleibt immer dieselbe: Sie ist Ritsu Zen – 立禅 (Zen im Stehen).

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